Chinesisch in China ....

Ich habe beinahe 10 Monate in China verbracht. Während mehrerer Monate habe ich versucht, mir die ersten Grundkenntnisse der chinesischen Sprache und Schrift anzueignen. Wie mir von meinen zahlreichen chinesischen Freunden auch versichert wurde, habe ich dies mit einigem Erfolg auch geschafft. Doch noch immer fehlen mindestens 12-24 Monate intensiver Weiterbildung, um dieses Land und seine Leute wirklich verstehen zu können. Eines ist jedoch sicher, es war eine phantastische Zeit.

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Name: Jürg
Standort: Binningen, Baselland, Switzerland

31 Juli 2006

die dritte Woche, immer wieder Überraschungen ...

Eigentlich habe ich verstanden, dass die ältere Schwester bis am Dienstag bleiben würde, doch es wurde Samstag Abend, bis sie uns mit ihrer Tochter verlassen hat.

Und wie es sich gehört, war auch das tägliche Leben ganz auf diesen Besuch ausgerichtet, eine Woche, gespickt mit lauter Überraschungen.

Jeden Tag war irgend ein Besuch angesagt. Die halbe Verwandschaft schaute nur kurz vorbei, um sicher zu sein, ja nichts verpasst zu haben. Bereits am Mittwoch wurde ich informiert, dass die Schwester am Freitag morgen mit dem Zug wieder zurückkehren würde. Erstaunt stellte ich am Freitag, nachdem ich aus der Schule zurückkam fest, dass noch alle anwesend waren. Schliesslich ergab sich sogar die Möglichkeit nochmals ausgiebig mit den beiden Damen zu sprechen. So erfuhr ich, dass im August ein grosses Bierfestival in der Heimatstadt stattfinden würde. Kaum war das klar, wurde ich wieder vor den Computer gezerrt, um die anschliessende Kommunikation durchzuführen.

Das Resultat! Jetzt habe ich ein Einladung, um nach Xidong zu reisen und dort am Bier- und 'Seafood'-Festival teilzunehmen. Nur bin ich mir noch nicht einmal sicher, ob dies nun eine 'wirkliche' Einladung oder eher eine nette Geste war, über die man lange und eingiebig geredet hat....

Kurz vor 23:00 Uhr wurde ich auch noch darüber informiert, dass die beiden Damen, sowie eine weitere Frau (vermutlich die Grossmutter) mit einem kleinen Mädchen, am nächsten Tag geplant hätten, den "Summer Palace" zu besuchen. Super, da komme ich doch auch mit! Ja, aufmerksame Leser werden es sicher bereits merken, der Samstag morgen begann wieder einmal um 05:00 Uhr mit der Tagwache. Obwohl ich eigentlich eine halbe Stunde herausgeschunden habe, da es immer ewig dauert, bis alle das Badezimmer benutzt haben, wurde ich um 05:15 Uhr geweckt und bereits um 05:30 Uhr standen wir draussen an der Strasse und warteten. Kaum 30 Meter weiter links warteten die übrigen Teilnehmer und wie es in China so der Fall ist, weiss trotz genauer Erklärung keiner so genau, wo man sich eigentlich treffen möchte. Nach rund 25 Minuten gegenseitigem Warten beschlossen wir, uns ein wenig zu bewegen und siehe da, plötzlich sieht man einander und das Aha-Erlebnis ist relativ gross, wenn man feststellen muss, dass beide seit 25 Minuten aufeinander warten. Dies obwohl man auf 06:00 Uhr abgemacht hatte!!!

Die anschliessende Fahrt mit dem Bus, quer durch die morgendliche Stadt, dauert ewig. Und als wir schliesslich die grosse Anlage erreichen sind kaum Leute anzutreffen. Gemütlich können wir uns die Anlage anschauen, wie seit Tagen, dicht umhüllt von Regenwolken, die beinahe den Boden berühren. (Die Bilder erscheinen in einer separaten Reportage ...)

Spät am Nachmittag, als schliesslich die abertausend übrigen Gäste die Anlage unter Beschlag nehmen, verlassen wir diesen eindrücklichen Ort, an dem mehrere Herrscher sich die Seemanöver der Marine zeigen liessen. Ich muss anmerken, dass eigentlich kein Fluss einen direkten Zugang zu diesem Binnengewässer hat ....

Der Abend gehört schliesslich dem gemeinsamen Nachtessen, auswärts, in einem vom Tourismusbüro von Beijing ausgezeichneten Restaurant für gute Küche!

Kaum zu glauben, plötzlich wird nervös auf die Uhr geschaut, wie es scheint, wird es doch langsam Zeit, wieder nach Hause zu gehen, um die Koffer zu packen! Kaum angekommen erfahre ich nun auch, dass die Tochter meiner Gastfamilie ebenfalls abreisen wird. Sie war nur hier, während ihrer Schulferien. Sie kehrt zurück nach Weifang, 8 Stunden Zugfahrt südlich von Beijing, zur Grossmutter, die wieder die Obhut übernehmen wird!

Bei dieser Gelegenheit habe ich nun auch endlich erfahren, dass die Eltern, in Beijing arbeiten, der Vater jeweils für eine Woche pro Monat zurück nach Weifang reisen wird, während die Mutter eigentlich immer hier bleibt und die Tochter nur während den Ferien zu Gesicht bekommt.

Andere Länder, andere Sitten ....

Der Sonntag, gehörte wie immer der Arbeit. Bereits in aller Früh zog es die Eltern zur Arbeitsstätte, meiner Meinung nach, nur um einfach dort zu sein und damit zu zeigen, dass man auch am Sonntag gewillt ist zu arbeiten. Als ich später vorbeischaute, lief gerade ein DVD auf dem einen Arbeitsplatz und es wurde auf allen übrigen Arbeitsplätzen fleissig gechattet!!! Arbeit macht das Leben glücklich?

Am Abend besuchten wir in unserer grossartigen Einkaufsstrasse das lokale "Bierfestival". Kurz um, viel zu teuer, schlechtes Bier, zu laute Musik aus zu kleinen Boxen und eine unglaubliche Hitze von 30° um 22:30 Uhr!!

das Emperor's Dinner ...

Am Dienstag haben hatten wir mit einigen Schulkollegen das berühmte Emporer's Dinner. Drei Taxis brachten uns auf unterschiedlichen Wegen zum gleichen Ort. Bemerkenswert! Mitten durch eine riesige Baustelle ging es schliesslich zum Eingang des "Luxus-Restaurants", wo hauptsächlich alles sehr viel teurer, nicht aber wirklich besser ist. Zusammen mit den Studenten, die hier jeden Yuàn dreimal umkehren, wurde es eher zu einem etwas "schwierigen" Abend. Obwohl die meisten von ihnen weitaus besser chinesisch sprechen und verstehen, als zum Beispiel mein Schweizer Klassenfreund Martin und ich, haben sie keine Ahnung, wie man eine Speisekarte liest und daraus bestellt....

Hier einige kleine Impressionen dieses Essens:

          








Der Abend endete schliesslich zusammen mit Marina, einer serbischen Studentin, mit australischem Pass (studiert in Australien noch 1 Semester Wirtschaft), in einer gemütlichen Kellerbar.

24 Juli 2006

ein anspruchsvolles Wochenende ...

Das Wochenende brachte einiges an neuen Erfahrungen.

Am Samstag morgen wachte ich bereits um 05:00 Uhr auf und konnte nach 7 Stunden Schlaf nicht mehr einschlafen. Also habe ich meine Lernkarten zur Hand genommen und mit dem Studium der Wörter begonnen. Die letzten Tage hatte ich ja kaum Zeit, mich damit zu beschäftigen, da ich entweder stundenlang (in diesem kleinen "Papershop") mit der Betreuung meiner Lernkarten beschäftigt war oder aber am Donnerstag und Freitag durch die Grippe Schachmatt gelegt wurde.

Nach einem kurzen Morgenessen, um 8:00 Uhr, startete ich den PC, um die bisherigen Fotos genauer zu betrachten. Pünktlich um 09:00 Uhr wurde ich von meinem Gastvater an den PC des Studenten beauftragt, wo mit mitgeteilt wurde, dass seine ältere Schwester mit ihrer 17jährigen Tochter Lust haben, die verbotene Stadt zu besuchen.

Klar, komme ich da mit. Lernkarten weg, umziehen und hinaus in die Stadt. 09:30 Uhr treten wir ein in die grossartige Anlage, 16:30 Uhr verlassen wir diese Städte von Königen, Konkubinen, Thronfolgern und den verschiedensten Dynastien wieder. Dazwischen unzählige Tempelanlagen mit zum Teil haarsträubenden Geschichten.

Abends das verdiente Nachtessen und der Hinweis, dass wir morgen die "Chinesische Mauer" besichtigen werden. Weckzeit: 05:00 Uhr, 05:30 Uhr Morgenessen, 06:00 Uhr Abfahrt.

Gut, zum Glück wird gemäss Wetterbericht das Wetter nicht gar so heiss aber es könnte regnen. Die Familie legt sich früh schlafen und es kehrt Ruhe ein in unser kleines Appartment. Ganz im Gegensatz zum Leben draussen auf der Strasse ....

Pünktlich um 05:00 Uhr beginnt das Leben. Ein Badezimmer für sechs Personen. Es ist klar, dass ich warte, bis alle durch sind. Schade dass es um diese Zeit nur noch kaltes Wasser übrig hat, doch bei einer Raumtemperatur von 29° kann man diese Erfrischung am Morgen gerade noch so verkraften ....

Es folgt die Fahrt quer durch Beijing. Rund 100 Km ausserhalb erreichen wir schliesslich eine Ortschaft und hier wurden drei Kilometer "Chinesische Mauer" restauriert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es ist 08:15 Uhr, die Marktstände beginnen erst langsam ihr Tageswerk als wir bereits die Tickets zum Eintritt ins Gelände besitzen und den steilen Weg hinauf zur Mauer beginnen.

Ich kann nur sagen, es ist beeindruckend, was hier in vielen Jahren Arbeit gebaut, betrieben und unterhalten wurde. Ich kann mir kaum das Leben dieser Leute vorstellen, die hier ihre tägliche Arbeit verrichten mussten!

Sobald ich alle Bilder ausgewertet habe, werde ich eine separate Reportage erstellen. Es braucht jedoch noch ein bisschen Zeit..... In Beijing braucht alles eben ein bisschen mehr Zeit .... (hahaha)

Wir hatten den ganzen Tag riesiges Wetterglück. Da die Tochter (17 Jahre) der älteren Schwester nach 2/3 der Besichtigung beinahe nicht mehr laufen konnte, derart erledigt sie war, benutzten wir die Kabinenbahn und fuhren nach unten. Kaum unten angekommen begann der grosse Regen, der während der nächsten Stunde nicht mehr aufhören wollte.

Anschliessend ging es zum Mittagessen, auch hier werde ich separat berichten und da auf dem Heimweg noch eine Buddha-Tempelanlage lag, haben wir diese auch gleich noch besucht. 500 Stufen zum Buddha-Tempel und nochmals 762 Stufen zum Tempel der Erleuchtung .... mehr braucht es wohl nicht zu erwähnen! (Reportage folgt noch...)

Die Rückkehr mit dem Wagen quer durch die Aussenbezirke dauerte schliesslich knapp drei Stunden. Und als wir gerade die Wohnung betreten hatten, begann der grosse Regen auch hier Beijing. Die nächsten 90 Minuten gehörten der Kraft der Natur. Richtige Regenstürme die niedergingen.

Aber was soll's, dass Wetter findet draussen statt!

In diesem Sinne starte ich die neue Woche bei besserer Gesundheit und am Dienstag Abend einem "Emperor's Dinner" (wie die Kaiser, früher gegessen haben, all-inclusive)

die zweite Woche ...

Obwohl hier alles mehr Zeit braucht, verglichen mit dem Leben in der Schweiz, bleibt auch hier die Zeit nicht stehen.

Zwei Wochen Chinesisch!!!

Langsam aber sicher beginnen die einzelnen Wörter sich zu einfachen Sätzen zusammen zu fügen. Und das Schöne daran ist, es gelingt mir sogar, diese Wörter so auszusprechen, dass mein Gesprächsparter auch genau das versteht, wovon ich eigentlich spreche. JuHui ...

Aber mit einem Wortschatz von nun rund 160 Wörtern kann man noch lange nicht alle Emotionen weiter vermitteln. Es macht mir jedoch Freude, wie einem kleinen Kind, wenn wieder ein Satz dazugekommen ist, der verstanden wird. Einfach Spitze.

Ja die letzte Woche war ein Wechselbad der Gefühle. Jeden Tag Gruppenunterricht (3 Personen) von morgens um 09:00 Uhr - 12:30 Uhr mit 15 Minuten Pause und ab 13:30 Uhr - 15:30 Uhr Einzelunterricht verlangen viel Konzentration und Fleiss. Kaum Zeit für eine kurze Pause und dies bei ungewohnten Raumtemperaturen von 26°-29° (trotz Klima) zehren ganz schön an der Kraft.

Bin ich froh, dass ich zum Morgenessen wirklich gut verpflegt werde. Hier zwei Bilder , jenes meines ersten Frühstück's und eines von letzter Woche ....








Es gibt also keinen Grund mich über das Essen zu beklagen, solange ich hier von allem probiere und der Gastfamilie das Gefühl gebe, es schmeckt mir, geht es mir hier auch ausgezeichnet. Ich muss aber gestehen, dass ich vermutlich nicht einmal 10% der Nahrungsmittel kenne, die hier jeweils gekocht werden. Ehrlich gesagt mache ich mir auch gar nicht die Mühe, nach den einzelnen Namen zu fragen, denn solange ich ja nicht weiss, was ich gerade esse, schmeckt es eben auch wirklich gut. Dieser Grundsatz wurde letzte Woche auch bestätigt, als ich das erste Mal die Gelegenheit hatte, zusammen mit der Familie beim Einkaufen dabei zu sein.

Bisher hatte ich immer das Gefühl, dass Migros und Coop "frische Produkte" verkaufen, doch seit ich in diesem Supermarkt war, hat sich dies massiv geändert. Frisch heisst hier, nur was noch lebt, ist wirklich frisch! Und ich kann sagen, ich bin froh, dass ich nicht weiss, was schlussendlich gekocht wird, denn was hier alles zappelt und kreucht und fleucht und sich im Wasser tummelt, einfach unglaublich. Ich hätte stundenlang zusehen können, wie einzelne "Dinge" "frisch" verarbeitet werden und über den Ladentisch gereicht werden. Einzig bei den Fleischwaren dachte ich anfangs, sieht es in etwa wie bei Migros und Coop aus, doch auch hier wurde ich getäuscht, kein Kühlschrank, kein Weisslicht, um die Waren besser zu beleuchten, alles in Natura, offen auf dem Tisch, Hackbeil zur Hand und schon beginnt die Arbeit ....

Am Donnerstag und Freitag musste ich leiden. Ich habe mir diese "Klimaanlage-Grippe" mit starkem Husten zugezogen. Donnerstag schleppte ich mich mit einer laufenden Nasse nach Hause, legte mich hin und schlief sofort ein. Mein Gastfamilienvater hat mich völlig verstört angeschaut, als ich trotz Klopfen an der Tür kein Lebenszeichen von mir gegeben habe. Also sofort "chinesische Medizin" bereit und einnehmen. Freitag dachte ich bereits, super geht ja, doch der Abend liess den Husten kommen. Und jetzt kommt die "chinesische Medizin" gleich Handvoll zum Genuss. Weiss Gott und die Betreuer was ich zu mir genommen habe. Ich lebe, es geht mir wieder besser. Alles o.K.

Ja und da ist ja noch diese Geschichte mit den Lernkarten. Ich habe früh gemerkt, dass ich mit dem Lernen aus dem Buch nicht wirklich vorwärts komme, also zurück zu den bewährten Lernsystemen. Lernkarten müssen her. Ich ohne chinesische Sprache gehe in den erst besten Druckshop (mit grossen Weltplakatt-Plottern) und kämpfe mich mit Zeichen durch. Mein Wunsch wird mir nach 2 Stunden verhandeln auch prompt erfüllt. Sprich, man beginnt mit der Arbeit. Eine Seite die chinesischen Schriftzeichen inkl. der Aussprache und auf der anderen Seite die englische Übersetzung. Insgesamt beinhaltet mein Buch 388 Wörter. Es scheint beinahe so, als würde alles klappen. Am nächsten Tag sollte bereits alles für mich bereit sein ....

Nun ja, die Geschichte begann am Dienstag und endet am Freitag, nachdem am Donnerstag abend noch ein neuer kleiner Drucker installiert wurde und der Besitzer mir die Anzahlung wieder zurück gegeben hat. Ich musste mit Hilfe eines Englisch-Chinesischen Dictionaires ihn auf die "Ehre der chinesischen Geschäftsleute" aufmerksam machen, dass er nach langem Hin und Her seine bereits zu 95% beendete Erfassungsarbeit auch wirklich noch ausdrucken möge. Seit Freitag Nachmittag bin ich nun stolzer Besitzer meiner Lernkarten und seit diesem Zeitpunkt gehen die Wortkenntnisse massiv voran.

Alles braucht eben Zeit und viel, viel Geduld.

17 Juli 2006

die erste Woche ...

Kaum zu glauben. Bereits ist eine Woche vorbei.

85 Zeichen müsste ich bereits erkennen, schreiben, aussprechen und richtig anwenden können. Doch selbst das Zählen von 1 - 10 bereitet noch immer einige Mühe, es happert, wie könnte es auch anders sein, mit der Aussprache. Tonlage halten, eher nach oben, oder gar mit viel Schwung von der Mitte nach unten und am Schluss ansteigend aussprechen. Ja und jene die Chinesisch kennen, wissen das noch die vierte Art der Aussprache fehlt, kurz und bündig mit steil abfallender Tonlage.

So wird aus einem Wort mit nur gerade zwei Buchstaben "ma"

mã = putzen, wischen
má = Hanf, Flachs, Jute
mâ = Pferd (wobei das Zeichen auf dem a eigentlich wie ein kleines v aussehen müsste)
mà = schimpfen, beschimpfen

Klar, wenn man die Wörter richtig aneinander reiht, so ergibt sich auch ein 'richtiger' Satz, doch eben ....

Und gerade diese verschiedenen Tonlagen machen es mir noch richtig schwer, selbst die 85 Zeichen richtig an den Gesprächspartner zu bringen. Leider ist auch hier noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Mittlerweile haben wir in meiner Gastfamilie auch einen Weg gefunden, miteinander zu kommunizieren. Stundenlang sitzen wir vor dem Computer und lassen das Übersetzungsprogramm für uns arbeiten. Die Sätze, die dabei herauskommen führen sehr oft, eigentlich beinahe immer zu weiteren Missverständnissen, denn durch die chinesische Satzstellung haben die Programme ihre wahre Mühe, den eigentlichen Sinn richtig zu erfassen. Aber hier hat die Zeit eine komplett andere Bedeutung.

Es wird 7 Tage in der Woche gearbeitet. Schliesslich könnte zu jeder Zeit, irgend jemand vorbei schauen und gerade zu diesem Zeitpunkt etwas kaufen. Und wie es scheint, möchte kein einziger Geschäftsmann, wie auch Geschäftsfrau diese Gelegenheit verpassen und einen Abschluss zu tätigen. Und wo nicht verkauft wird, wird eben auf "Überzeit" gearbeitet. Schliesslich weiss man(n) oder Frau ja nie, wann diese eben zu gebrauchen wäre!

Noch immer habe ich hier keine Sonne gesehen. Auch die Sicht beträgt weiterhin kaum 500 Meter in alle Richtungen. Einzig die Temperaturen bleiben konstant. Tagsüber bei 38 - 40° und nachts bei rund 28 - 29°.

Ach ja, bevor ich es vergesse. Die Küche ist ausgezeichnet. Leider hat sich mein Gastfamilienvater eine Magendarm-Verstimmung zugezogen! Und seit heute morgen liegt er mit Halsweh im Bett. Gut mit dem Magen habe ich nichts, doch die kontinuierlich laufenden Klimaanlagen machen auch meinem Hals zu schaffen und so werde ich heute zusätzliche Probleme haben, die richtige Tonlage zu finden.

In diesem Sinne wünsche ich allen, die das wunderbare Wetter in der Schweiz geniessen, eine tolle Woche mit viel Sonnenschein, angenehmen Temperaturen und vielen herrlichen Stunden der Ruhe und der Erholung.

Live aus Beijing

12 Juli 2006

Beijing live ....

Nun ist es also soweit!

Die ersten Tage sind überstanden. Die Gastfamilie hat mich überaus nett aufgenommen, dies obwohl weder die Eltern noch der Sohn Englisch verstehen. Chinesisch ist gefragt. Einzig die kleine Tochter (~12 Jahre) lernt zur Zeit ein wenig Englisch, doch dies reicht noch nicht einmal, um über das Essen zu sprechen!

Selbst die Unterstützung durch Hände und Füsse, um miteinander kommunizieren zu können, macht das Leben nicht einfacher. Daher jeden Tag eine neue Lektion mit jeweils 15-20 neuen Wörtern in der Schule lernen und zu Hause wieder üben, üben, üben. Bereits gehören "Guten Tag", "Guten Morgen", "Tschüss" und "mir geht es gut" zur täglichen Kommunikation. Seit gestern gehören die Zahlen 1-10 ebenfalls dazu und morgen folgt die Lektion, "wie heisse ich". Auch das Schreiben ist ein Teil der Hausaufgaben. Schreiben ja, aber das Zeichen auch wieder erkennen, sind leider zwei völlig unterschiedliche Disziplinen. Aber es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen....

Gut, dass sich die Gastfamilie wirklich viel Mühe gibt, mir das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Viel kann ich noch nicht zu den einzelnen Personen sagen, obwohl ich beide Erwachsenen bereits an ihrem Arbeitsplatz, ein Büro in einem grossen Block, just um die Ecke (andere benötigen Stunden zur Arbeit), besucht habe.

Zur Zeit herrscht hier die absolute Hitze, Temperaturen von 40° gehören zum Standard und spät Nachts resp. in den frühen Morgenstunden beginnen jeweils die grossen Gewitter, welche die Stadt in ein düsteres Bild einhüllen. Selbst nach diesen Gewittern habe ich noch nie den Himmel gesehen. Der Dunst hängt direkt an den höchsten Gebäuden und die Sicht ist auf max. 500 Meter beschränkt. Gut, dass wenigstens der Wind sich zwischendurch bemerkbar macht, denn die Busfahrt kann zur absoluten Qual werden. Vollgestopft in und auch um den Bus (Verkehrschoas Total) steht man minutenlang ohne jede Bewegung und der Schweiss tropft förmlich aus den Poren.

Meine Gastfamilie wohnt ganz in der Nähe der berühmten "verbotenen Stadt", welche direkt, für uns wohl noch berühmteren, Tianamen-Platz liegt. Zu Fuss in 15 Minuten steht man Tausenden von Besuchern gegenüber, die diesen gigantischen Platz bestaunen.

Gestern konnte ich mit meinem neuen Familienvater den Coiffeursalon besuchen, wo normalerweise die älteste Tochter, die nicht mehr zu Hause wohnt, arbeitet. Kopf waschen, angenehme Kopfmassage, Haare schneiden, Kopf waschen, Kopfmassage, trocknen, kontrollieren und bequem warten bis auch der Herr der Schöpfung seinen komplizierten Haarschnitt beendet hat. Es gibt sie doch, die angenehmen Seiten des Lebens .....

Apropos Küche. Jeweils zum Nachtessen wird richtig gekocht. Mindestens 6-8 Platten mit frisch zubereiteten Gemüse und Fleischzutaten werden zusammengestellt. Alles gekocht mit nur einer Wok-Pfanne. Erst zubereiten, schneiden, zusammenstellen und danach blitzschnell kochen und servieren. Zum Morgenessen werden die Reste des Vorabends oder aber gekochter Reis mit gebratenem Ei, einer speziellen Art Sandwich mit Tomatenstücken oder wie heute morgen "heisse Milch mit Haferflocken" serviert. Eine ausgezeichnete Köchin, die es wirklich versteht zu kochen.

Und nun wird es wieder Zeit, sich an die Hausaufgaben zu machen ....

09 Juli 2006

Ankunft in Beijing

Puenktlich um 06:15 Uhr landet das Flugzeug in Beijing. Zollkontrolle und draussen werde ich bereits von meiner Gastfamilie erwartet. Mit dem Auto quer durch die Stadt und mit dem schweren Koffer hinauf in den fuenften Stock meines neuen Zuhauses.

Jetzt geht es so richtig los. Kein English hilft, nur Chinesisch und davon habe ich ja nun noch wirklich gar nichts. Aber wie immer helfen die Haende. Mein Zimmer ist angenehm mit Sicht in den gepflegten Hof einer grossen Wohnsiedlung.

Endlich schlafen....

08 Juli 2006

die Reise hat begonnen ...

frueh am Morgen steht man im Flughafengebaeude und beobachtet die zahlreichen Personen, die ebenfalls eine Reise beginnen. Kaum einer der sich nicht auf die naechsten Tage oder gar Wochen freut. Schliesslich haben viele seit langer Zeit darauf gewartet, um sich eben genau diesen Traum erfuellen zu koennen.

Ich verlasse die Schweiz mit gemischten Gefuehlen. Ich freue mich auf meinen Sprachaufenthalt, doch wer so lange von Zuhause weg sein wird, dem fehlen nicht erst beim Abschied die vertrauten Gesichter. Erst kuerzlich habe ich einen Satz aufgeschnappt, der dies treffend beschreibt: "Bien que tu es la, tu me manques deja".

Nun bin ich in Moskau angekommen und warte auf den Weiterflug nach Beijing. 3 1/2 Stunden Flug, kaum Gespraeche im Flugzeug, Essen, Formulare ausfuellen und den Wolken zuschauen, wie sie den Flug begleiten. Das Wetter ist angenehm, der Flughafen selbst, ein dichtgedraengter Ort der Verkaufsflaechen, kaum Licht im Gebaeude und dazwischen die Ausgaenge zu den jeweiligen Gates, kaum Platz sich zu bewegen. Die Reisenden sitzen oder liegen am Boden und warten geduldig auf die Weiterreise.

Ich bin gespannt, auf den Flug von Moskau nach Beijing.