Chinesisch in China ....

Ich habe beinahe 10 Monate in China verbracht. Während mehrerer Monate habe ich versucht, mir die ersten Grundkenntnisse der chinesischen Sprache und Schrift anzueignen. Wie mir von meinen zahlreichen chinesischen Freunden auch versichert wurde, habe ich dies mit einigem Erfolg auch geschafft. Doch noch immer fehlen mindestens 12-24 Monate intensiver Weiterbildung, um dieses Land und seine Leute wirklich verstehen zu können. Eines ist jedoch sicher, es war eine phantastische Zeit.

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Name: Jürg
Standort: Binningen, Baselland, Switzerland

23 Oktober 2006

das Lernen geht weiter ...

Am Sonntag hatte ich das erste Mal wieder Zeit, all meine bisherigen Erlebnisse ins Netz zu stellen. Nun, nachdem die Wohnung bezogen ist, die Welcome-Party erfolgreich durchgeführt werden konnte, kann ich mich wieder voll und ganz dem Lernen der Chinesischen Sprache widmen.

Es gilt, die vergangenen zwei Wochen Lernstoff wieder aufzuholen und langsam aber sicher auch das Schreiben zu intensivieren.

Schliesslich möchte ich ja mein Ziel 2000 Zeichen in Wort und Schrift nicht aus den Augen verlieren.

Anlässlich der Welcome-Party habe ich auch noch eine Einladung zu einer Hochzeitsveranstaltung erhalten. Gut noch ist nicht ganz sicher, ob ich es richtig verstanden habe, doch am Samstag Abend um 18:00 Uhr sollte ich bereit sein.

Ich bin schon richtig gespannt darauf ....

17 Oktober 2006

neues Zuhause ...

Die letzte Woche war ich vollständig mit der Suche nach meinem neuen Zuhause beschäftigt.

Bereits nach einer Woche Hotel, wusste ich, dass ich diesen Zustand raschmöglichst ändern muss. So habe ich mich in den bekannten Wohnungs-Suchmaschinen von Beijing eingetragen und auf eine Antwort gewartet.

Es ging rasch und dies trotz der Ferienwoche. Sofort sind sie da, die "professionals", die einem eine Wohnung zeigen möchten. Schlimm nur, dass sie meine Angaben nicht genau gelesen haben. Aber schnell eine Antwort schicken ist eben auch "rasch erledigt".

Ich hingegen musste für jedes Angebot die Karte zur Hand nehmen und nachschauen, wo denn nun das Appartment ungefähr sein könnte. Schlussendlich habe ich rund 15 Wohnungen an den verschiedensten Orten besucht. Man kann alles sehen. Von neu renoviert bis wirklich "steinalt", für alle Orte wird ein Nachmieter gesucht!

Nun, ich habe jetzt eine 75m2 grosse 2-Schlafzimmer-Wohnung, dass heisst, nebst den beiden Schlafzimmern gibt es noch das Badezimmer, die Küche und die Stube. Letzten Samstag war den auch zügeln angesagt. Zwei Koffer unter die Arme nehmen und einziehen. Anschliessend gemeinsam mit dem "Landlord" den Vertrag studieren und anpassen, unterzeichnen und gleich darauf in ein Warenhaus zum shoppen gehen.

Ich könnte ja beinahe sagen, es macht Spass, so in eine neue Wohnung zu ziehen, wären da nicht all die kleinen Schwierigkeiten, mit denen man, resp. ich zu kämpfen hatte. Es ist eben nicht so wie Zuhause, rasch ins Auto einsteigen, Ikea ansteuern, mit dem grossen Einkaufswagen durch die Gänge gondeln, aussuchen, vergleichen, einpacken, zahlen und wieder nach Hause fahren.

Leider sind hier die grossen Einkaufsläden alle ohne grosse Einkaufswagen ausgerüstet, alles wird am Schluss in Plastiksäcke eingepackt und ich habe eben auch nur zwei Hände zum tragen ... --> Wer öfters geht, hat auch mehr Freude am Einkaufen ....

Wie auch immer, laufend kommen nun neue Dinge in den Haushalt, doch das Wesentliche ist wohl, dass ich mich hier schon richtig wohl fühle und ich nun in einem Quartier lebe, rund 10 Minuten Fussweg zur Schule, wo viele Menschen sind, die nur darauf warten, mit mir reden zu können.

Blicke ich aus meinem Fenster geniesse ich am Morgen bereits ein prachtvolles Panorama ....

am Morgen des ersten Tages in meinem neuen Appartment erlebte ich Beijing noch trüb, grau in grau,













doch bereits der zweite Tag zeigt klar den Unterschied ...













Ach ja, nur weil mich der Besitzer drängte, aufgrund meiner Körpergrösse noch das Bett auszuprobieren, habe ich festgestellt, dass das Bett nicht nur kurz ist (wäre kein Problem ...), aber dass es wie die traditionellen chinesischen Betten nur aus einem Holzgestell mit einer dünnen Stoffauflage bestand. Schade für ihn, jetzt werde ich diese Woche noch ein neues Bett mit 230 x 200cm erhalten....






Am Freitag wird es dann soweit sein, Freunde ihr seit alle herzlich eingeladen, zur Wohnungseinweihung. Ich werde kochen, nebst den chinesischen Spezialitäten auch europäische Köstlichkeiten. Unterstützt werde ich dabei von einer sehr netten Freundin meines Landlord's. Sie wird jeweils einmal in der Woche zusammen mit mir einkaufen und mir die chinesische Küche näher bringen.

Also wer Zeit und Lust hat, kurz eine Email und ich schicke gerne den Anreiseweg ....

11 Oktober 2006

Sonntag, 8. Oktober ....

Nun gut, Sonntag ist bei uns Ruhetag, bis auf die unzähligen Tankstellen-Shops, Kiosks, Bahnhofläden und so weiter ...

Sonntag, der 8. Oktober war hier in China speziell.

Während der ganzen Woche war Beijing wie ausgestorben, überall Platz, kein Stau, leere Busse und Ruhe. Viele Einwohner nutzten den Nationalfeiertag sowie das Mondfestival-Fest, um eine grosse Ferienbrücke zu geniessen.

Der Bahnhof am Samstag Abend vor resp. nach diesen beiden Festtagen sprengte alles was ich bisher gesehen hatte. 10-Tausende von Chinesen stürmten zu den Zügen, resp. am Sonntag morgen wieder zurück nach Hause.

Nach Hause!!

Nein, kaum zu glauben, der Sonntag war der offizielle Arbeitsbeginn für all jene Unternehmungen, die die Brücke vom Nationalfeiertag zum Mondfestival gebaut hatten.

Ich wollte am Sonntag Morgen gemütlich durch die Strassen gehen und mir verschiedene Sachen anschauen und dachte: "Nicht gut! Ich habe vergessen in die Schule zu gehen, war mein erster Eindruck." Die gleiche Hektik, die in den Wochen bevor herrschte war wieder zurück in Beijing. Tausende strömten durch die Strassen, Tausende wollten wieder in den Lift steigen, um möglichst rasch zum Arbeitsplatz zu gelangen. Alle Läden hatten wieder das volle Sortiment an Verpflegung, alle die kleinen Marktstände waren wieder zurück in den Strassen und dies an einem Sonntag ....

Sonntag ist eben nicht gleich Sonntag ....

6. Oktober - Mondfestival

Der 15. Tag des 8. Monats im Jahreskalender der Chinesen wird speziell gefeiert.

Zu diesem Zeitpunkt herrscht über China Vollmond. Die Jahreszeitrechnung in China beginnt nicht mit dem 1. Januar, sondern mit dem chinesischen Neujahr (Ende Januar, Anfangs Februar, wiederum je nach Vollmond) . Sprich September oder Oktober unserer Zeitrechnung ("Herbst- oder Erntedankfest")

Freitag, 6. Oktober war es also soweit, ganz China feiert diesen Tag.

Die kreisrunde Fläche des Mondes stellt dabei sinnbildlich "Vereinigung" dar. Dass heisst, man trifft sich in den Familien oder mit Freunden, isst spezielle "Mond-Kuchen" [Mürbeteig mit etwelchen Füllungen, von süss bis sauer oder salzig, von Fleisch bis Gemüse, alles ist möglich] und geniesst die Zeit zusammen.

Ach ja, es dürfen natürlich auch Melonen gegessen werden, da auch diese Früchte schön rund sind ....

Da nun nicht alle Menschen an diesem Tag frei haben oder sich treffen können, haben sich die Chinesen einen kleinen Ersatz ausgedacht. Es gilt einfach zum Mond zu schauen, einen Mondkuchen zu essen und an die Familie zu denken. Auch so ist man, zumindest in Gedanken vereint. Eine sehr angenehme Art und Weise sich verbunden, resp. vereint zu fühlen.

Nun, hier in Beijing konnten sich die Bewohner richtig gut auf diesen Feiertag vorbereiten. Die ganze Woche wunderbares Wetter, stahlblauer Himmel und abends konnte man das Zunehmen des Mondes beobachten.

Doch ausgerechnet am Freitag, sollte es nicht so sein. Bereits früh am Morgen senkte sich eine dicke graue Dunstglocke über die Stadt. Es war kaum möglich mehr als 100 Meter weit zu sehen. Und als schliesslich die Dämmerung über die Stadt hereinbrach wurde es sogar noch schlimmer. Denn ein starkes Gewitter entlud sich über der Stadt und die zahlreichen Leute, die in den verschiedensten Parks verzweifelt auf einen Blick zum Mond hofften, mussten sich beeilen, um nicht vollständig in den Fluten unter zu gehen.

Auch ich wollte an diesem Abend den Mond beobachten und hatte deshalb mehrere verschiedene Mondkuchen gekauft, wobei ich darauf geachtet habe nur jene mit Fruchtfüllungen mitzunehmen.

Morgens in der Schule, nachmittags kurz lernen und anschliessend ins Fitness-Center und gegen 20:00 Uhr die letzten Vorbereitungen treffen, um mich ebenfalls in einen Park zu begeben und den Mond zu betrachten. Ich wollte gerade hinausgehen, als der grosse Regen begann. Während beinahe zwei Stunden goss es aus Kübeln und der Himmel blieb verdeckt wie bereits den ganzen Tag. Kurz vor 23:00 Uhr endlich das Ende des Regens, also ich in den nächsten Bus und Richtung Park. Ich habe mir die Anlage "BeiHai" ausgesucht, eine wunderbare Anlage mit einem See in der Mitte und vielen kleinen Restaurants an den Ufern.

Da es auch noch kühl wurde, hatte es genügend Platz, mich hinzusetzen, ein Bier zu bestellen und meine Mondkuchen auszupacken.

Und siehe da, der grosse Regen hatte zumindest etwas Gutes. Der Mond tauchte plötzlich am Firnament auf und erstrahlte in seinem schönsten Weiss. Welch Glück für all die Chinesen, die seit Stunden darauf gewartet haben, mit ihren Familien "verbunden zu sein".

Ich muss jedoch hinzufügen, in einem fremden Land zu leben, den Mond betrachten und einen Mondkuchen essen und dabei an die Freunde zu Hause denken, ein absolut angenehmes Gefühl ist.

Dies muss man mir wohl angesehen haben, denn unaufgefordert erhielt ich von einer der Serviceangestellten mit einem netten Lächeln des Verständnisses, nach den ersten Bissen meines klebrigen Mondkuchens, bereits mehrere Papierservietten, um die Hände sauber zu halten ...

03 Oktober 2006

1. Oktober - Nationalfeiertag ...

Während der letzten Woche wurden überall fleissig Vorbereitungen für den Nationalfeiertag getroffen. Ich hatte den Eindruck, dass weder die offiziellen Ämter, noch die grossen Unternehmungen, weder die kleinen Läden resp. die einzelnen Bürger sich für diesen Tag lumpen lassen wollten.

Es wurden aufwändige Fahnenburgen aufgestellt, grossartige Blumenarrangements auf den Vorgärten oder in speziell dafür vorbereiteten Orten zusammengestellt und die Häuser in ein rotes Fahnenmeer gehüllt.

Endlich ist er da, der 1. Oktober, dieses Mal sogar an einem Sonntag. Und ich kann sagen, ich war schlicht überrascht, ein Land mit 1.3 Mia Menschen und man könnte meinen, alle strömen nach Beijing, durch die grossen Einkaufsstrassen, wie die Wangfujing Dajie mit dem Ziel, den Tian'anmen-Platz zu erreichen. Hier besammeln sich die Menschen, um die wunderbaren Blumenlandschaften zu bestaunen und mind. 100 digitale Bilder aufzunehmen!

Es blitzt und blitzt und blitzt .... Überall wird fleissig geknippst, neue Positionen gesucht, frisch positioniert, zur Seite geschoben und all dies ohne Hektik, keine bösen Worte (viel habe ich zwar nicht verstanden...), wie gesagt, in einer sehr angenehmen und sehr sicheren Atmosphäre. Ich betone, ich bin erst um 20:00 Uhr durch die Strassen gelaufen und habe nach langem, um 22:00 Uhr den Tian'anmen-Platz erreicht!

Hier einige Impressionen ....





























Ich habe diesen Abend gemeinsam mit meinen Gasteltern verbracht. Und wie es sich gehört existieren auch von diesem Anlass mehrere Dutzend Bilder, hier zwei davon ....













Wer also jemals die Gelegenheit hat, dieses Schauspiel zu bewundern, sollte sich diesen Tag speziell eintragen, er beginnt bereits um 04:00 Uhr mit dem Fahnenaufzug auf dem Tian'anmen-Platz ...