Chinesisch in China ....

Ich habe beinahe 10 Monate in China verbracht. Während mehrerer Monate habe ich versucht, mir die ersten Grundkenntnisse der chinesischen Sprache und Schrift anzueignen. Wie mir von meinen zahlreichen chinesischen Freunden auch versichert wurde, habe ich dies mit einigem Erfolg auch geschafft. Doch noch immer fehlen mindestens 12-24 Monate intensiver Weiterbildung, um dieses Land und seine Leute wirklich verstehen zu können. Eines ist jedoch sicher, es war eine phantastische Zeit.

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Name: Jürg
Standort: Binningen, Baselland, Switzerland

15 April 2007

Yunnan - Xishuangbanna - das Wasserfest ...

Die Hauptattraktion der Neujahrsfestlichkeiten bildet jedoch das Wasserfest.

Ich habe bereits vieles an Neujahresaktivitaeten erlebt, sei dies nun in Europa, Suedamerika oder China. Doch das Wasserfest von Xishuangbanna ist wohl der absolute Hoehepunkt meiner Erfahrungen zum Jahreswechsel.

Folgende Ueberschriften wuerden wohl in unserer Presse erscheinen
  • "Eine Stadt im Ausnahmezustand ..."
  • "umherstreifende Banden fuehren einen unerbittlichen Strassenkampf ..."
  • "den verantwortlichen Fuehrungsmitgliedern der einzelnen Voelkergruppen wird der Kopf gewaschen ..."
  • "auslaendische Touristen werden von der Bevoelkerung angegriffen und beschossen ..."
  • "die Bewohner sind bis auf die Zaehne bewaffnet und schiessen wild um sich herum ..."
Doch nun der Reihe nach ...

Am Neujahrestag in der Fruehe ziehen die Menschen an das Ufer des Mekong, um das wertvolle Wasser zur Reinigung zu schoepfen. Dieses Wasser wird anschliessend in den Feuerwehrloeschfahrzeugen zum Hauptplatz gefuehrt.

Auf der grossen Buehne beginnt schliesslich um 10:00 Uhr der offizielle Festakt. Die verschiedenen Stammesvertreter erhalten die Moeglichkeit vor ihren anwesenden Volksleuten eine kurze Rede zu halten. Um 11:00 Uhr wird schliesslich das Wasser des Mekong mit den grossen Druckschlaeuchen der Feuerwehrfahrzeuge erst ueber die Buehne und anschliessend ueber die anwesenden Zuschauer versprueht. "Der Akt der Reinigung hat begonnen!"

Nach diesem Prozedere steigen die Volksvertreter hinunter und nehmen Platz auf einem kleinen Stuhl der mit zwei langen Bambusstaeben auf den Schultern von vier Maennern getragen wird.

Es beginnt der 2. Akt der "Reinigung" ...

Die Wuerdentraeger werden auf dem grossen Platz, im Schlepptau mehrere Volksleute in den entsprechenden Trachten, umhergefuehrt. Nun haben alle Anwesenden die Moeglichkeit diese mit Wasser, entweder aus Eimern, kleinen Kuebeln oder aber viel moderner mit kleinen, mittleren oder gar grossen Wasserpistolen zu bespritzen!!!

Und diese Gelegenheit wird mit grosser Freude ausgenutzt. Wobei die Volksvertreter dieses Spektakel auf die unterschiedlichste Art und Weise "geniessen".

Obwohl die eigentliche Hauptzeremonie noch nicht einmal richtig begonnen hatte, nutzen die Menschen in den Strassen die Gelegenheit sich mit Wasser zu bespritzen. Und damit dieses Vergnuegen nicht an Wassermangel fruehzeit ein Ende findet, haben die Stadtbehoerden an allen moeglichen Orten Wasserschlaeuche oder sich selbst nachfuellende Wasserkuebel installiert.

Wie haben wir beide diesen Anlass erlebt? Und warum die Schlagzeilen zu Beginn der Reportage?

Als wir das Hotel verliessen und die ersten Schritte auf die Strassen wagten, wurde uns schnell bewusst, dass wir uns schnell moeglichst mit der entsprechenden "Bewaffnung" auszuruesten haben.

Wir hatten uns kaum "bewaffnet", wurden wir bereits unter Beschuss genommen. Dieses Verhalten aenderte sich waehrend den naechsten drei Stunden nicht mehr. Unser Weg zum Hauptplatz wurde fuer uns zum Spiessrutenlauf.

Wir beide einerseits als Auslaender andererseits gut sichtbar entweder durch meine Groesse oder aber durch die blonden Haare, man erkannte uns! Und diese einzigartige Gelegenheit mussten die Bewohner ausnutzen und uns reichlich mit Wasser zu bespritzen und zu "reinigen"...

Triefend nass erreichten wir schliesslich den Hauptplatz, gerade rechtzeitig um bespritzt zu werden ....

Nachdem die Wuerdentraeger gereinigt waren, zogen die einzelnen Volksgruppen mit ihren Stuehlen quer durch die Stadt, um weitere wichtige Persoenlichkeiten zu besuchen und diese auf dem Stuhl Platz nehmen zu lassen. Dabei wurden diese kleinen Gruppen selbst das Opfer der "Reinigung" ...


Als wir nach drei Stunden Strassenschlacht wieder in unser Hotel zurueckkehrten, triefend nass und leicht unterkuehlt, konnten wir die weiteren Strassenschlachten aus sicherer Entfernen beobachten...

Der Akt der Reinigung dauerte noch weitere zwei Stunden, dabei wurden viele hundert Menschen innert kuerzester Zeit voellig durchnaesst. Schlimmer erging es jedoch jenen Menschen, die sich sicher in ihren Fahrzeugen fuehlten und dabei vergessen hatten, dieses von innen her zu verriegeln. - Schreckliche, gleichzeitig aber auch sehr amuesante Bilder ....

Dies gilt uebrigens auch fuer jene Fahrgaeste, die mit dem Taxi unterwegs waren ...

Wir haben in China nun zum dritten Mal Neues Jahr gefeiert. Jedes Mal auf eine andere Art. Keine war jedoch derart eindruecklich wie das Wasserfest von Xishuangbanna.