4 Wochen Beijing ...
Vier Wochen China, 4 Wochen und laufend neue Beobachtungen!
Es gibt Tage, da denke ich, ich gehöre wohl zu einer völlig fremden Lebensform. Alles ist so komplett anders als bei uns. Dennoch sind es auch hier Menschen, Menschen, wie ich und viele andere Europäer.
Zum Teil weit gefehlt ...
Hier einige Beispiele:
Zahnstocher ...
--> benutze niemals die Zahnstocher in einem Restaurant, wenn diese nicht in einer speziellen Verpackung (verschweisst) zur Verfügung stehen!
Gut, diesen Grundsatz kennen wir ja auch aus unserer Gegend. Aber wenn ich in ein 5* Restaurant gehen würde und die Zahnstocher liebevoll in einem speziellen Behälter zur Verfügung stehen, werde ich diese auch ohne Verpackung benutzen! Hier jedoch, muss ich davon ausgehen, dass selbst in einem 5* Restaurant mindestens ein Kind, die Zahnstocher sowohl zur Reinigung der Zähne, zum Spielen im Teller, zum Aufnehmen eines Essstückes vom Boden oder sonst zu irgendeiner nicht vorgesehenen Tätigkeit eingesetzt hat und unter Aufsicht der Eltern, die benutzten Zahnstocher wieder zurück in den Behälter gelegt hat (Mehrmals beobachtet, in mehreren Restaurants).
"Gan bei" oder "trockne das Glas"
Normalerweise besteht das Essbesteck hier in China lediglich aus einem kleinen Teller, den Essstäbchen, einem kleinen Wasserglas (nur für heisses Wasser, oder Tee) und einem kleinen oder mittleren Keramikschüsselchen.
Dieses Schüsselchen wird entweder mit Bier, Reiswein, Fischsuppe oder auch ganz einfach am Schluss mit Reis gefüllt (wer am Schluss noch Hunger hat, der isst eben noch Reis!). Man sollte es daher vermeiden, frühzeitig etwelche Essensgegenstände darin abzufüllen, sondern immer nur Flüssigkeiten darin nachfüllen.
"Gan Bei" wird ähnlich unserem "Prosit" innerhalb der Tischrunde ausgesprochen. Wobei es an einem Abend Dutzende von "Gan Bei" zu hören gibt. Entweder kurz, nur mit deinem direkten Tischnachbarn oder auch mit deinem Gegenüber oder in der ganzen Runde. Zuprosten ist eine angenehme Form der Kommunikation!
So und nun wird's wieder ein bisschen schwieriger: "Gan Bei" heisst wörtlich übersetzt "Trockne Glas/Becher". Klar, man trinkt, bis der kleine Behälter leer ist. Von der Menge, die sich im Becherchen befindet ist dies auch gar kein Problem. Und wenn in der Runde Bier getrunken wird, halten alle Chinesen locker mit.
Man sollte dies jedoch nicht gleich beim ersten "Gan Bei" mit Reiswein machen. Im Kreise meiner Familie wurde ich rasch aufgeklärt, dass dies eher den Anschein erweckt, man sei "sehr dem Alkohol zugetan". Daher nur am Becherchen nippen und nicht gleich alles auf einmal runterkippen!
Klar?
Aber aufgepasst, man muss immer sehr genau hinschauen, wie das "Gan Bei" zugesprochen wird. Also immer einen Blick über den Brillenrand resp. den Rand des Becherchens und man merkt rechtzeitig, dass dieses Mal eben auch ein volles Becherchen "Gan Bei" getrunken wird!
Körperkontakt
Eigentlich kann man in der Öffentlichkeit kaum Körperkontakte beobachten. Selbst in den vollen Busen, bemühen sich alle Passagiere ja nicht den Nachbarn zu berühren.
Anders, wenn etwas Neues in der Tischrunde gezeigt wird. Wie zum Beispiel ein Schweizer Sackmesser (mit eigenem Zahnstocher!). Plötzlich ist man mitten in einer Gruppe von fremden Personen. Hier wird gedrückt, geschoben, berührt, als ob alle die besten Freunde oder langjährige Partner wären. Man sollte also nicht sehr überrascht sein, von derart vielen "Zärtlichkeiten" und "Berührungen"!
Spucken ...
Ich bin überzeugt, dass wenn alle europäischen Fussballer, quasi als Strafaufgabe eine Woche Aufenthalt in China erhalten würden, die Spuckerei auf den Fussballfeldern oder der neue Trend, das Anspucken des Gegners, innert kürzester Zeit der Vergangenheit angehören würde.
Hier wird überall gespuckt und "gekoddert". Keine Ausnahme, ob dies nun Männer oder Frauen tun. Alt und Jung, Schön und Reich, Arm oder Business. Es erscheint einem, je lauter desto besser.
Einzig im Bus hat man seine Ruhe. Aber sobald man den Bus verlässt, tritt man wieder in die Welt der Spucker. Auch im Büro wird ungeniert in den Kübel gespuckt. Völlig normal!
Man darf es einfach nicht persönlich nehmen, wenn man eine Person gekreuzt hat und diese anschliessend im Rücken lauthals spuckt oder "koddert". Ich konnte mich noch nicht an diese ungewöhnliche Art des Benehmens gewöhnen. Noch immer stelle ich mir die Frage, hat er/sie mich nun erwischt oder nicht?
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, doch daran werde ich mich wohl kaum gewöhnen können!
Live aus Beijing Jürg
Es gibt Tage, da denke ich, ich gehöre wohl zu einer völlig fremden Lebensform. Alles ist so komplett anders als bei uns. Dennoch sind es auch hier Menschen, Menschen, wie ich und viele andere Europäer.
Zum Teil weit gefehlt ...
Hier einige Beispiele:
Zahnstocher ...
--> benutze niemals die Zahnstocher in einem Restaurant, wenn diese nicht in einer speziellen Verpackung (verschweisst) zur Verfügung stehen!
Gut, diesen Grundsatz kennen wir ja auch aus unserer Gegend. Aber wenn ich in ein 5* Restaurant gehen würde und die Zahnstocher liebevoll in einem speziellen Behälter zur Verfügung stehen, werde ich diese auch ohne Verpackung benutzen! Hier jedoch, muss ich davon ausgehen, dass selbst in einem 5* Restaurant mindestens ein Kind, die Zahnstocher sowohl zur Reinigung der Zähne, zum Spielen im Teller, zum Aufnehmen eines Essstückes vom Boden oder sonst zu irgendeiner nicht vorgesehenen Tätigkeit eingesetzt hat und unter Aufsicht der Eltern, die benutzten Zahnstocher wieder zurück in den Behälter gelegt hat (Mehrmals beobachtet, in mehreren Restaurants).
"Gan bei" oder "trockne das Glas"
Normalerweise besteht das Essbesteck hier in China lediglich aus einem kleinen Teller, den Essstäbchen, einem kleinen Wasserglas (nur für heisses Wasser, oder Tee) und einem kleinen oder mittleren Keramikschüsselchen.
Dieses Schüsselchen wird entweder mit Bier, Reiswein, Fischsuppe oder auch ganz einfach am Schluss mit Reis gefüllt (wer am Schluss noch Hunger hat, der isst eben noch Reis!). Man sollte es daher vermeiden, frühzeitig etwelche Essensgegenstände darin abzufüllen, sondern immer nur Flüssigkeiten darin nachfüllen.
"Gan Bei" wird ähnlich unserem "Prosit" innerhalb der Tischrunde ausgesprochen. Wobei es an einem Abend Dutzende von "Gan Bei" zu hören gibt. Entweder kurz, nur mit deinem direkten Tischnachbarn oder auch mit deinem Gegenüber oder in der ganzen Runde. Zuprosten ist eine angenehme Form der Kommunikation!
So und nun wird's wieder ein bisschen schwieriger: "Gan Bei" heisst wörtlich übersetzt "Trockne Glas/Becher". Klar, man trinkt, bis der kleine Behälter leer ist. Von der Menge, die sich im Becherchen befindet ist dies auch gar kein Problem. Und wenn in der Runde Bier getrunken wird, halten alle Chinesen locker mit.
Man sollte dies jedoch nicht gleich beim ersten "Gan Bei" mit Reiswein machen. Im Kreise meiner Familie wurde ich rasch aufgeklärt, dass dies eher den Anschein erweckt, man sei "sehr dem Alkohol zugetan". Daher nur am Becherchen nippen und nicht gleich alles auf einmal runterkippen!
Klar?
Aber aufgepasst, man muss immer sehr genau hinschauen, wie das "Gan Bei" zugesprochen wird. Also immer einen Blick über den Brillenrand resp. den Rand des Becherchens und man merkt rechtzeitig, dass dieses Mal eben auch ein volles Becherchen "Gan Bei" getrunken wird!
Körperkontakt
Eigentlich kann man in der Öffentlichkeit kaum Körperkontakte beobachten. Selbst in den vollen Busen, bemühen sich alle Passagiere ja nicht den Nachbarn zu berühren.
Anders, wenn etwas Neues in der Tischrunde gezeigt wird. Wie zum Beispiel ein Schweizer Sackmesser (mit eigenem Zahnstocher!). Plötzlich ist man mitten in einer Gruppe von fremden Personen. Hier wird gedrückt, geschoben, berührt, als ob alle die besten Freunde oder langjährige Partner wären. Man sollte also nicht sehr überrascht sein, von derart vielen "Zärtlichkeiten" und "Berührungen"!
Spucken ...
Ich bin überzeugt, dass wenn alle europäischen Fussballer, quasi als Strafaufgabe eine Woche Aufenthalt in China erhalten würden, die Spuckerei auf den Fussballfeldern oder der neue Trend, das Anspucken des Gegners, innert kürzester Zeit der Vergangenheit angehören würde.
Hier wird überall gespuckt und "gekoddert". Keine Ausnahme, ob dies nun Männer oder Frauen tun. Alt und Jung, Schön und Reich, Arm oder Business. Es erscheint einem, je lauter desto besser.
Einzig im Bus hat man seine Ruhe. Aber sobald man den Bus verlässt, tritt man wieder in die Welt der Spucker. Auch im Büro wird ungeniert in den Kübel gespuckt. Völlig normal!
Man darf es einfach nicht persönlich nehmen, wenn man eine Person gekreuzt hat und diese anschliessend im Rücken lauthals spuckt oder "koddert". Ich konnte mich noch nicht an diese ungewöhnliche Art des Benehmens gewöhnen. Noch immer stelle ich mir die Frage, hat er/sie mich nun erwischt oder nicht?
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, doch daran werde ich mich wohl kaum gewöhnen können!
Live aus Beijing Jürg


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