Chinesisch in China ....

Ich habe beinahe 10 Monate in China verbracht. Während mehrerer Monate habe ich versucht, mir die ersten Grundkenntnisse der chinesischen Sprache und Schrift anzueignen. Wie mir von meinen zahlreichen chinesischen Freunden auch versichert wurde, habe ich dies mit einigem Erfolg auch geschafft. Doch noch immer fehlen mindestens 12-24 Monate intensiver Weiterbildung, um dieses Land und seine Leute wirklich verstehen zu können. Eines ist jedoch sicher, es war eine phantastische Zeit.

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Name: Jürg
Standort: Binningen, Baselland, Switzerland

04 September 2006

Woche 8: Essen in China ...

Ich bin nun acht Wochen in China.

Jeden Tag esse ich Chinesisch. Luxus pur mögen die Einen sagen, die in der Schweiz für viel Geld "Chinesisch essen gehen". Andere wie zum Beispiel rund 1.3 Mia Menschen kennen nichts anderes, als täglich Chinesisch zu essen.

Wie auch in der Schweizer Küche gibt es jedoch einige Unterschiede. So wird in einzelnen Regionen des Landes extrem "scharf" gegessen, andere Gegenden sind bekannt für die "süss-saure Küche". Je nach Region dominiert der Fisch und die Meerestiere den täglichen Speiseplan, während andern Ortes mehr Fleisch oder mehr Gemüse den Weg auf den Teller findet. Es gibt Regionen, die bekannt sind, wirklich so gut wie alles in irgendeiner Art und Weise zu kochen, um es auf dem Teller servieren zu können. Generell wird in China jedoch alles bis auf ein paar wenige Knochen und Gebeine gegessen. So auch die Knorpel von Tieren und Fischen. Vom Kopf dieser beiden Lebewesen bleibt meist nur ganz, ganz wenig übrig. Im Gegensatz zu unserer Küche ....

Deshalb ist es auch so schwierig in der Chinesischen Küche ein grosses Stück Fleisch zu finden. Alles wird hier in kleine Stücke aufgeschnitten. Man stelle sich vor, in China würden die Menschen plötzlich beginnen, nur noch die "guten Stücke", sprich Filet (egal ob nun vom Fisch oder vom Tier), zu essen! Mein Gastvater würde wieder sagen: "reine Verschwendung der Ressourcen".

Und hier in Beijing treffen all diese verschiedenen Essenskulturen aufeinander. Natürlich findet man genügend Möglichkeiten auch Pizza-Hut, McDonalds oder gar KFC mit einem Besuch zu beehren, übrigens ein teurer Luxus, denn sich die Chinesen gerne gönnen, um zu zeigen, dass man auch Geld für diese Lebensart besitzt....

Letzte Woche hatte ich nun (gezwungener Massen) das Vergnügen meine Verpflegung selbst in die Hand zu nehmen. Meine Gasteltern besuchten ihre Tochter und waren die ganze Woche abwesend.

Und nun beginnt das chinesische Leben erst recht. Nicht einfach nach Hause kommen und an den wohlbehüteten Tisch sitzen und essen was auf den Tisch kommt (wohlgemerkt, auch wenn man die einzelnen Speisen nicht kennt), nein entweder Fastfood-Ketten oder aber Chinesisch pur!


Ich habe mich für die Variante Chinesisch pur entschieden. Wie das geht? Einfacher als man denkt und erst recht mit vielen angenehmen Ueberraschungen.

Ich schlendere also durch mein Quartier, schaue mir die verschiedenen kleinen Restaurants von Aussen an, entscheide je nach Gusto, hier geh ich rein, hier versuche ich etwas zum Essen zu erhalten. Rein gehen, Hallo sagen, Mitteilen, dass ich hungrig bin und einen Platz zugewiesen erhalten (resp. setz dich hin, wo du möchtest). Danach kommt eine der unzähligen Angestellten und bringt die Karte.


  • Variante 1: in der Karte sind Bilder, englische Texte --> absolut kein Problem!
  • Variante 2: in der Karte sind Bilder, chinesische Texte --> zumindest sind die Bilder eine Unterstützung!
  • Variante 3: in der Karte sind nur chinesische Zeichen --> jetzt wirds schwierig, denn nur in den wenigsten Fällen besitzen die Angestellten kleine Englisch-Kenntnisse.
  • Variante 4: gleich wie Variante 3, aber der Chef holt kurz die letzte Modezeitschrift mit dem Rezepttip des Monats und teilt einem mit, dass dieses Essen "haochi" [gut zu essen] ist.
  • Variante 5: .......

Eine Woche im wirklichen Leben, ich kenne noch immer nur gerade fünf Wörter für die Küche, aber ich habe hier bereits so ziemlich alles an unterschiedlichen Mahlzeiten probiert, die "die Schweizer-China-Küche" niemals servieren würde! Ich hatte an keinem der Tage irgendwelche Beschwerden oder ein schlechtes Gefühl im Magen.

Ich habe mir aber auch nie Gedanken über die Zubereitung oder deren Bestandteile gemacht. Dabei muss ich an die Email-Massenversand-Powerpoint-Show [Erziehung heute und damals] denken. Daher sind meine Hinweise mit Vorsicht zu geniessen. Ich gehöre auch noch zu jener Generation, die im Kindesalter draussen und mit Dreck aufgewachsen ist. In diesem Sinne ist mein Magen gut ausgebildet und resistent gegen etwelche Keime oder "Verunreinigungen".

Auch wenn hier "alles" gegessen wird, kann ich sagen, dass das Essen ausgezeichnet zubereitet wird. Selbst wenn man auf der Strasse etwas an jenen Ständen kauft, an welchem viele Leute anstehen, und jeder Reiseführer davon abrät, konnte ich dies ohne Probleme tun. Auch ich weiss schliesslich nicht, ob diese Leute nun zum ersten (und hoffentlich nicht zum letzten) Mal anstehen oder Dauerkunden sind ....

Kurz um, wer ein bisschen Mut beweist, wird hier immer gut essen können. Und die Preise schwanken zwischen 10 - 40 Yuan (1.5 - 5 CHF) für einen Teller oder gleich mehrere Platten.

Eines sollte man auf jeden Fall beherrschen, wer in China essen möchte, sollte ohne Probleme ein einzelnes Salznüsschen mit den Stäbchen quer über den Tisch vom Teller aufnehmen und ohne es fallen zu lassen, zum Mund führen können. Also beim nächsten Besuch bei Mister Wong die Essstäbchen mitnehmen und zu Hause probieren. Erstens geniesst man dabei das einzelne Nüsschen viel mehr und zweitens schlagen die Kalorien am Ende nicht derart schwer auf die Hüfte .....

In Beijing hat der Herbst begonnen, nein, ich sehe keine Bäume, die die Blätter verlieren oder die Farbe wechseln, aber die Temperaturen sind sehr angenehm (28°), die Luftfeuchtigkeit liegt bei ca 50% (eher trocken) und der Himmel zeigt sich jeweils von seiner schönen Seite. Herrlich!